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Arztbriefe entziffern und verstehen

Jeder, der schon einen Arztbrief gesehen hat, weiß wie sich so ein Text lesen läßt: nämlich gar nicht. Es gibt kaum anderes als Abkürzungen, Präpositionen und Verben. An sich ist das nicht schlimm, ganz im Gegenteil: die Befunde sollen möglichst genau weitergegeben werden. Dazu verwendet man gerne klar definierte, unverwechselbare Begriffe. Sehr vereinfacht gesehen, besteht das Medizinstudium aus Auswendiglernen von Fremdwörtern mit einer Prise Nachdenken. Wenn man weiß, wie Galle entsteht und wohin die fließt, ist der Satz "Die sBG bestätigte den Verdacht einer Chlst. bei erh. ALP und gGT" durchaus verständlich.

Die Abkürzungen:
sBG = sonographische Bildgebung
Chlst = Cholestase (Gallenstauung)
ALP = Alkalische Phosphatase (ein Leberenzym)
gGT = Gamma-Glutamyl-Transferase (ein weiteres Leberenzym)

Die "Übersetzung":
Die durchgeführte sonographische Untersuchung bestätigte den Verdacht einer Gallenstauung bei erhöhter Konzentration der für dieses Krankheitsbild spezifischen Leberenzyme Alkalische Phosphatase und Gamma-Glutamyl-Transferase.

Es macht keinen Sinn alles in superlangen Sätzen zu erzählen, die Kollegen werden es auch kurz gefasst verstehen. Deswegen sind die Arztbriefe in der Regel auch nicht länger als drei Seiten. Das schnelle Nachschlagen wäre auch nicht mehr so schnell, wenn man 20 Seiten statt 3 lesen müsste. Die eigentlichen Abkürzungen entstehen meistens wegen Zeitmangel, ein Arzt hat einfach zu wenig Zeit, 20 mal am Tag "Gamma-Glutamyl-Transferase" zu schreiben.

Dadurch ist die Kommunikation zwischen den Ärzten zwar nicht beeinträchtigt (sogar eher erleichtert), für den besorgten oder einfach neugierigen Patienten stellt diese Schreibweise aber ein meistens unüberwindbares Problem dar. Selbst wenn man als Laie irgendetwas über irgendeine Abkürzung findet, kann man nicht sicher sein, dass der richtige Begriff getroffen wurde. In einem anderen Kontext könnte ALP etwas ganz anderes bedeuten, wie zum Beispiel "erh. ALP im Blut" = Blutvergiftung mit dem Schädlingsbekämpfungsmittel Aluminiumphosphid.

Die Diagnose selbst läßt sich mit einem ICD-10 Schlüssel entziffern, für die Beschreibung der Ergebnisse einer klinischen Untersuchung gibt es keine hochstandardisierten Verfahren. Mit diesem Projekt möchten wir versuchen, Menschen beim Verstehen ihrer medizinischen Befunde zu helfen.

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