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Heilpflanzen in der Gastrologie Teil I

Appetitlosigkeit

Bei Appetitmangel kann die Magensekretion (Salzsäure) und Verdauungssaftsekretion durch Bitterstoffe angeregt werden. Bittere Pflanzen werden mit dem Sammelbegriff Amara genannt. Die bitterste bisher bekannte Substanz ist Denatoniumbenzoat. Ein Gramm davon ist in der Lage, 100 000 Liter Wasser unverträglich bitter zu machen. Wegen der hohen Potenz und der chemischen Herkunft, wird Denatonium als Heilmittel nicht benutzt. Pflanzliche Bitterstoffe sind Iridoidglykoside und Mono- und Sesquiterpenalkaloide. Man findet sie in verschiedenen Heilpflanzen wie Wermutkraut, Teufelskrallenwurzel, Bitterholz und Enzianwurzel. Zusätzlich verdauungsfördernd wirken Schafgarbe (auch krampflösend), Zichorie enthalten als Wegwarte in Kaffeesurogaten und Zimtrinde.

Neben appetitsteigernd sind Artischockenblätter und Löwenzahnwurzel auch gallentreibend. Es ist zu beachten, dass die oben genannten Stoffe nicht hitzestabil sind, deswegen sollte man die pflanzlichen Produkte nur kurz überbrühen oder kalt ansetzen. Der Aufguss 30 Minuten vor dem Essen trinken.
Bitterstoffe dürfen bei Geschwüren wie Magenulkus und Duodenalulkus und bei Gallenabflussstörungen nicht appliziert werden.
Zichorie
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Schafgarbe
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Blähungen und Krämpfe

Eingesetzt werden die so genannten Carminativa. Kümmel, Anis, Dill und Fenchel (die Samen davon) wirken entblähend und entkrampfend. Die Wirkung der Samen basiert zumeist auf den enthaltenden ätherischen Ölen.  Die Samen müssen vor Verwendung frisch angequetscht werden. Wenn als Tee zubereitet, wirkt auch die zugeführte Wärme entkrampfend. Kamillenblüten sind ganz eindeutig spasmolytisch. Entkrampfend auf die Muskulatur und nicht entblähend wirken Melisse (Melissae folium), Galgantwurzelstock (Galanga rhizoma)  und Pfefferminzblätter (Mentae piperitae folium).
 

Durchfall

Um den Flüssigkeitsverlust über die Darmschleimhaut aufzuhalten, werden bei Diarrhö gerbstoffhaltige Pflanzen eingesetzt. Die adstringierende Wirkung von grünem und schwarzem Tee kann mit diesem Ziel genommen werden. Erwachsene sollten mindestens 7 Minuten lang gezogener Tee trinken, für Kinder eignet sich der zweite Aufguss eines Teebeutels. Die erste Wahl bei Kindern sind jedoch Heidelbeeren oder Heidelbeermuttersaft. Auch Quellstoffe wie getrocknete Pflaumen sind günstig. Hohe Wirksamkeit haben auch Bananen, Karotten, Uzara-Wurzel und Pektine z.B. in geriebenem, rohem Apfel.

 

Verstopfung

Bei einer Obstipation wird der Darminhalt unzureichend weiter transportiert. Je voller der Darm ist, desto intensiver kontrahiert und entspannt sich die Darmmuskulatur. Quell- und Füllstoffe werden nicht resorbiert, bleiben im Darminneren und reizen die muskuläre Schicht, was eine intensivierte Peristaltik verursacht. Pflanzliche Produkte mit dieser Wirkung sind geschrotete Leinsamen, Flohsamen, Weizenkleie und Fruchtfasern. Dazu muss reichlich getrunken werden (200-300 ml Flüssigkeit je Esslöffel). Die Stoffe können auch über längere Zeit eingenommen werden. Da die Quellstoffe auch eine geringere Absorption aufweisen können, ist eine Wirkungsherabsetzung gleichzeitig oral eingenommener Medikamente möglich. Eine angemessene Nahrungsumstellung, reichliches Trinken und regelmäßige Bewegung sind weitere Therapieansätze
Bei Passagehindernisse oder Verwachsungen sind Füllstoffe kontraindiziert.

Heilpflanzliche Behandlung für gesetzlich Versicherte

Eine weitere Gruppe gegen Verstopfung sind die Laxanzien. Sie wirken nicht über eine extern verursachte Vermehrung des Darminhaltes, sondern reizen die Nervenendungen der Darmwand, sie haben also eine antiabsorptive Wirkung. Die Zellen produzieren mehr Flüssigkeit, die sich im Darminneren ansammelt und die Muskulatur kontrahiert sich. Laxanzien gehen mit der Gefahr eines Kaliumverlustes einher, was wiederum die Obstipation intensivieren kann. Auch eine Verstärkung der Nebenwirkungen von Diuretika und Herzmedikamenten ist nicht ausgeschlossen. Deswegen sollten Laxanzien gezielt und eher bei der akuten Obstipation über wenige Tage eingesetzt werden. Diese Substanzen sind in Aloe vera, Rhabarberwurzel, Sennesfrüchte und Faulbaumrinde enthalten.
Häufig sind krampfartige Magenschmerzen, Elektrolytstörungen und Eiweiß im Urin.
Bauchschmerzen unbekannter Ursache, Schwangerschaft, Stillzeit, entzündliche Krankheiten des Magens und Darms sind alle Kontraindikationen. Auch bei Kindern unter 12 Jahren sind die pflanzlich-laxativen Abführmittel nicht zu empfehlen.

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