Untersuchung und Diagnosestellung in der Homöopathie
Eine ausführliche Anamnese ist extrem wichtig
für die erfolgreiche homöopathische Behandlung. Die
schulmedizinische Anamnese ist dagegen weniger intensiv und
aufwendig, da dort die Persönlichkeit des Patienten eine eher
untergeordnete Rolle spielt. Zeitmangel sollte den Homöopathen
nicht daran hindern, das Krankheitsbild und die
Krankheitsgeschichte kennen zu lernen. Die Dauer der richtigen
Befragung beträgt mindestens 30 Minuten. Wenn die Zeit dafür
fehlt, ist es besser den Patienten zu einem Kollegen zu
schicken, als ihn falsch zu therapieren und möglicherweise
seinen Zustand sogar verschlechtern. Im Vergleich zu der
Schulmedizin, ist das eine sehr lange Zeit. Manche Gegner der
Homöopathie betrachten die tiefgreifende Anamnese sogar als
Zeitverschwendung.
Zuerst werden die Lokalsymptome,
Allgemeinsymptome und Modalitäten als Spontanbericht erhoben -
das, was der Patient als Störung seiner Gesundheit empfindet.
Der Untersucher hört zu und stellt Lenkungsfragen nur wenn
nötig. Danach folgt die Phase der Ermittlung der
Familienanamnese und Sozialanamnese, auch des Arbeitsumfeldes.
Es wird gezielt nach aktueller Medikation, chronischer
Krankheiten, Vorerkrankungen und Operationen gefragt.
Einflussfaktoren, die Beschwerden am stärksten beeinflussen,
müssen vom Homöopathen identifiziert werden, zum Beispiel
Magenschmerzen nach kaltem Essen, Erbrechen bei Unruhe.
Lokalsymptome
Eine konkrete Beschwerde wird als
vollständiges Lokalsymptom betrachtet, wenn sechs Aspekte davon
erfasst werden:
1. die exakte Stelle und, falls zutreffend, die Körperseite
2. die genaue Störempfindung und die Eigenart
3. Ausbreitung und Ausstrahlung
4. Beginn (sehr wichtig), Dauer und Ende
5.Begleiterscheinungen, zum Beispiel Zittern, Angst, Schwitzen
6. Modalitäten
Modalitäten sind Einwirkungen und äußerliche Einflüsse, die
Symptome verbessern oder verschlechtern: Körperlage, Jahreszeit,
Stress, Licht und weitere.
Homöopathie in der gesetzlichen Krankenversicherung
Allgemeinsymptome
Allgemeinsymptome in der Homöopathie sind die
psychischen Bereiche Persönlichkeit, Stimmung, Intellekt
Gedächtnis Emotionen und allgemeine körperliche und hormonelle
Symptome aus den physischen Gebieten Wärmeregulation,
Sexualität, Hunger, Durst, Schwitzen, Schlaf und die
Regelblutung bei Frauen verstanden. Diese Bereiche müssen bei
jedem homöopathischen Patienten erfasst werden, nicht nur bei
Vorhandensein spezifischer Beschwerden dort. Die homöopathische
Anamnese ist dabei sehr umfassend, es ist sinnvoll nicht nur
nach Husten zu fragen, sondern auch nach der Uhrzeit mit den
heftigsten Anfällen, Vorhandensein und gegebenenfalls Farbe von
Sputum (Auswurf), Lokalisation (Hals
oder Lunge) etc.
Modalitäten
Beschwerden und Symptome treten meistens
nicht von alleine auf, sondern manifestieren sich unter
bestimmten Voraussetzungen wie physische Erschöpfung, Tageszeit,
Mahlzeit, Körperlage. Diese Bedingungen sind modal - sie
beeinflussen die Wahrnehmung und Ausprägung des Symptoms.
Modalitäten geben somit Auskunft, wann Symptome auftreten , wann
sie besser oder schlechter werden oder sich verändern.
Da zum Beispiel bei Pollenallergien und
Wespengiftallergien Luftnot besteht, finden manchmal Modalitäten
(in diesem Fall Pollen, Insektengift) Anwendung sogar bei der
Suche nach
Homöopathika. Da sucht man nämlich nach Substanzen, die bei
Gesunden bestimmte Symptome verursachen, bei Kranken aber genau
diese Symptome dämpfen können.
Am Symptom Luftnot können Modalitäten gut
demonstriert werden. Tritt Luftnot beim Sport oder im Liegen
auf, im kalten, feuchten Keller oder im warmen Zimmer, mitten in
der Nacht oder früh am morgen? Das sind Merkmale, die
spezifische gesundheitliche Probleme definieren. So kann in
diesem Beispiel geklärt werden, ob die Symptome Kennzeichen
einer Lungenerkrankung (Krebs, COPD, Asthma) oder Herzerkrankung
(KHK, Angina Pectoris etc.) sind. Rein homöopathisch werden
somit auch die Grundbedingungen der Krankheit klar. Deswegen
sollten modalische Zusammenhänge immer möglichst genau
identifiziert werden.
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